Probe-Lektion: 9.2 Grenzen setzen

Grenzen sind wichtig, wenn man in einem Familienverband/Rudel lebt. In der Hundewelt beginnt dieses intuitive Lernen schon früh, und kommt von den Eltern und den Geschwistern. Es setzt sich dann in jeder einzelnen sozialen Interaktion fort, die Hunde jemals haben. Sie geben anderen Hunden ständig Signale darüber, was sie nicht möchten und was in Ordnung ist. Oft sind diese Signale kaum sichtbar. Es ist ein Blick, ein kleiner Laut, eine Änderung der Körperhaltung. Manchmal sind die Signale aber auch deutlicher. Sie knurren, fordern Raum ein oder schnappen. Während dein Welpe diese Signale von anderen Hunden lernt, musst du ihm die Grenzen deiner Familie und der menschlichen Welt beibringen.

Du solltest deinem Welpen diese Grenzen von Anfang an beibringen. Dein Welpe wird lernen, dass nicht alles ihm gehört. Er wird lernen, welche Grenzen für dich wichtig sind. Das kann das Knabbern an Pflanzen sein, das Kauen an deinen Socken, das Jagen deiner Katze, das Springen auf dein Bett usw. Da Welpen es lieben, neue Dinge zu entdecken und von Natur aus verspielt sind, werden sie diese Grenzen am Anfang oft austesten. Um den Lernprozess deines Welpen zu erleichtern, solltest du die Quelle der Probleme beseitigen, wo immer das möglich ist. Wenn du zum Beispiel nicht möchtest, dass dein Welpe auf deinen Sofakissen herumkaut, solltest du sie in den ersten Wochen entfernen und sie dann nach und nach wieder auslegen. Du solltest versuchen zu vermeiden, dass du deinen Welpen ständig zurechtweist, da das ihn und auch dich ziemlich frustrieren würde.

Patchouli

Patchouli lernt, dass die Hausschuhe nicht zum Spielen da sind

Jamie

Jamie findet ein Stück Brot im Wald

So geht’s

Nehmen wir an, dein Welpe knabbert an Stuhlbeinen und du willst ihm beibringen, dass er das nicht tun darf:

schritt 1

Du musst so schnell wie möglich eingreifen. Das beste Timing ist, wenn dein Welpe kurz davor ist, in das Stuhlbein zu beissen.

schritt 2

Als Erstes musst du eine akustische Warnung aussprechen: „Nein“, „ssst“ oder was auch immer du willst.

schritt 3

Da dein Welpe noch nicht mit Worten vertraut ist, solltest du auch deinen Körper zur Kommunikation einsetzen. Beanspruche den Stuhl mit deinem ganzen Körper und fungiere als ein Bodyguard. Schiebe deinen Welpen sanft weg, wenn er nicht zurückweicht, und halte dabei Augenkontakt. Es ist jedoch zu beachten, dass Hunde in solchen Momenten in der Regel keinen längeren Blickkontakt mögen, daher ist es nicht notwendig, dass dein Welpe auch Blickkontakt hält.

schritt 4

Halte deine Position, bis du merkst, dass dein Welpe deine Grenze akzeptiert. Das äussert sich oft durch eine entspannte Veränderung der Körperhaltung oder wenn dein Welpe weggeht oder sich entspannt (sich hinsetzt oder hinlegt).

schritt 5

Befiehl deinem Welpen nicht, sich zu setzen oder irgendwo hinzugehen. Die Akzeptanz muss von ihm kommen. Andernfalls wird er zwar seine Haltung ändern, aber in seinem Kopf wird er immer noch darauf fixiert sein, an dem Stuhl zu kauen.

schritt 6

Sobald du merkst, dass dein Welpe die Grenze akzeptiert hat, gehst du langsam weg. Wenn dein Welpe zurück zum Stuhl geht, gehst du sofort die oben genannten Schritte erneut durch (akustische Warnung, Körpersprache), bis dein Welpe den Stuhl in Ruhe lässt.

schritt 7

Wenn dein Welpe dich so sehr herausfordert, dass du überfordert bist und dich nicht mehr behaupten kannst (z.B. weil er immer wieder nach deiner Hose greift), kannst du ihn entweder mit einem „Schild“ (z.B. einem Tennisschläger) auf Abstand halten oder deinen Welpen an die Leine nehmen und jedes Mal, wenn er versucht, nach deiner Hose zu schnappen, die Leine benutzen, damit er dich nicht erreicht. Halte ihn nicht mit gespannter Leine auf Abstand, sondern benutze sie nur, wenn er versucht, dich zu erreichen. Er muss von sich aus aufgeben, nicht weil du ihn mit der Leine auf Abstand hältst. In jedem Fall solltest du dich ruhig und geduldig verhalten.

Je nach Temperament deines Welpen werden einige diese Grenzen bereitwillig akzeptieren, während andere frustriert sein werden, weil sie ihren Bedürfnissen nicht nachgehen können. Sie fordern dich vielleicht heraus, bleiben hartnäckig oder zeigen ihre Unzufriedenheit. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein solches Verhalten völlig normal ist. Dein Welpe muss lernen, mit Frustration umzugehen, und während dieses Prozesses ist es wichtig, dass du ruhig, geduldig und selbstbewusst bleibst und die Qualitäten eines guten Leithundes zeigst.

Es kann gut sein, dass du das über mehrere Wochen hinweg immer wieder tun musst, denn dein Welpe testet, ob die Grenzen noch existieren und ob du deine Aufgabe, sie durchzusetzen, noch erfüllst. Denke immer daran, ruhig, geduldig und selbstbewusst zu sein. Lass dich nicht irritieren und sei überzeugt von dem, was du tust, auch wenn dein Welpe versucht, nach deinem Bein zu schnappen oder dich anbellt. Du musst konsequent sein und deinen Platz einfordern, immer wieder. Dein Welpe wird lernen, dass es sinnlos ist, dich herauszufordern, wenn du deine Aktion selbstbewusst durchführst. Mit der Zeit wird sich deine Geduld auszahlen und dein Hund wird neue Grenzen direkt akzeptieren.

Kommando “Nein”

Die Art und Weise, wie du deinem Hund das Kommando „Nein“ beibringst, ist eng mit dem Lehren von Grenzen und Begrenzungen verwandt, nur dass ein „Nein“ auch nur für einen bestimmten Moment gelten kann, während Grenzen dauerhaft gelten sollen. Wenn du also das Kommando „Nein“ immer wieder in derselben Situation verwendest, wird es zu einer Grenze. Unten siehst du zwei Beispiele, um deinem Hund den Unterschied zwischen Ja und Nein beizubringen.

Patchouli

Patchouli lernt Ja und Nein

Jamie

Jamie darf etwas nicht essen